Viele Impulse zum Bauen in der heutigen Zeit lieferte Friedrich Idam den zahlreich erschienen Zuhörenden. Seinen Schwerpunkt setzte der Experte für historische Bauten dabei vor allem beim ‚einfachen Bauen‘.
Zu Beginn hinterfragte er die Größe vieler Häuser und Gärten. Damit in Zusammenhang steht die variable Verwendung dieser Bauten. Wie einfach lassen sich Grundrisse verändern und auf neue Bedürfnisse anpassen? Seine Ausführungen unterstrich Idam mit passenden Skizzen und Fotos von historischen Bauten, wie etwa Wiener Gründerzeithäusern.
Dann unterstrich er den Wert des Selber-Machens, das er als in der Zukunft besonders bedeutsam einstuft. Wenn dieses auch noch mit ‚Urban Mining‘ (‚ausboanln‘) kombiniert wird, lassen sich auch heute Gebäude gut finanzieren. Da ist dann auch jede Menge Kreativität gefragt, wie er mit zahlreichen Beispielen unterstrich, etwa einem selbstgemauerten doppelwandigen Kachelofen aus den Resten von Nachtspeicheröfen.
Einen wesentlichen Teil seiner Überlegungen widmete er der Wiederverwendbarkeit von Bauten, etwa auch von Ziegeln und Steinmauerwerk. Die heute oft verwendeten, schwer trennbaren Materialkombinationen hält er für einen großen Irrweg in der Architektur und im Baugewerbe.
Gleichzeitig kritisierte er auch das überbordende und von der Industrie bestimmte Normenwesen, das oft ein Ausdruck der Wünsche von Materialproduzenten sei.
Die einfache Reparierbarkeit ist für Idam eine weitere Notwendigkeit für kluges Bauen. Er ist ein Fan ‚mittlerer Technologien’, die sich oft über Jahrhunderte bewährt haben und warnt vor hochtechnischen Lösungen, wo für jede Reparatur eine Fachkraft benötigt wird.
Zum Schluss riss der von Organisator Max Gramberger als ‚Universalgenie in Baufragen‘ bezeichnete Idam auch noch das Thema ‚Schön bauen‘ an, wo er meinte, dass sich vieles messen lasse, das Menschen gefällt oder eben nicht gefällt.
Das lebhafte, mit viel Humor und Selbstironie garnierte Anschlussgespräch gab dem Publikum auch die Möglicheit, mit konkreten Fragen an Idam heranzutreten und sich Tips abzuholen. Das begeisterte Publikum, darunter auch viele von seinen ehemaligen HTL-Schüler:innen, war von den Impulsen höchst inspiriert und diskutierte diese noch intensiv.
Die Begeisterung zeigte sich auch in den zahlreichen Interessensbekundungen für eine Architekturfahrt der GIESSEREI am 12. Mai, wo solche einfachen Neubauten (Gebäudetyp E) in Bad Aibling bei Rosenheim besichtigt werden.
Die Philosophie von Friedrich Idam lässt sich in seinem umfangreichen Podcast ‚Simple Smart Buildings’ (mehr als 150 Folgen!) sehr gut nachhören und vertiefen. Große Empfehlung!
Hier findest du auch eine sehr brauchbare LInkliste, u. a. mit Links zu kompetenten Handwerksbetrieben.
Hier findest du die Präsentation vom 10. Februar: